Gastbeitrag: Modellprojekt schafft europaweit Sichtbarkeit für Grundbildung
- Erschienen amMitte Juni war das ESF+-Modellprojekt Come2Care auf der Jahreskonferenz des European Basic Skills Network (EBSN) in Lissabon vertreten. Unter dem Motto 'Basic Skills for Life, Work and Democratic Participation in Times of Transformation' kamen Fachleute aus ganz Europa zusammen, um sich über zukunftsweisende Ansätze der Grundbildung auszutauschen. Come2Care brachte dabei Erfahrungen aus Brandenburg in den europäischen Fachdiskurs ein.
Ein Erfahrungsbericht von Marie Quiter, Projektreferentin Come2Care.
Anlass und Ziel unserer Teilnahme
Als soziales Innovationsprojekt im Land Brandenburg war es unser Ziel, Come2Care als praxisnahes Beispiel für die Verzahnung von Grundbildung, Arbeitsmarktintegration und Pflege europaweit sichtbar zu machen – und im Austausch mit anderen Projekten neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen. Ich war deshalb in doppelter Funktion vor Ort aktiv: als Podiumsgast bei 'Strengthening the Action Chain in Adult Basic Skills' und als Workshopleiterin mit dem Beitrag 'Bridging Basic Skills, Inclusion and Care: Integrated Onboarding in Times of Transition'. Kernaussage und Ziel des Workshops: zeigen, wie Onboardingprozesse für internationale Pflege(hilfs)kräfte mit verschiedenen Bausteinen sozial und innovativ gestaltet werden können.
Bei der Podiumsdiskussion diskutierte ich mit Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich und Belgien Ansätze zur Stärkung der Grundbildung. Passend zum von Judith Alamprese vorgestellten Konzept der 'Action Chain' verdeutlichte ich am Projekt Come2Care die zentrale Rolle der 'Implementation Capacity' (Umsetzungskapazität): Ich zeigte auf, dass politische Entscheidungen ihre Wirkung erst dann entfalten, wenn diejenigen, die sie umsetzen sollen, über die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen verfügen.
Die Konferenz als Transferplattform
Für uns war Lissabon vor allem eines: eine Gelegenheit, Praxiswissen aus Brandenburg in einen europäischen Fachdiskurs einzuspeisen und umgekehrt. Come2Care konnte konkrete Erfahrungen aus der Projektarbeit einbringen. Unsere europaweiten Kolleginnen und Kollegen warten nun gespannt auf die englischsprachigen Transferprodukte, um die in Come2Care entwickelten Bausteine selbst zu adaptieren. Mitgenommen nach Brandenburg haben wir vor allem eins: Soziale Innovationen entstehen nicht von selbst, sondern durch Mut zur Veränderung und starke Netzwerke. Es lohnt sich, weiterhin mit Leidenschaft dranzubleiben!
Transfer europaweit gedacht
Ein zentrales Signal der Konferenz war: Grundkompetenzen sind keine defizitorientierte Randfrage, sondern eine Voraussetzung für demokratische Teilhabe. Sie schaffen Zugang zu Arbeit, Gesundheit, Familie und gesellschaftlichem Leben. Genau hier setzt Come2Care an, indem es Grundkompetenzen in realen Arbeits- und Lebenskontexten stärkt und die Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenbildung, Pflegeeinrichtungen und Arbeitsmarktakteuren fördert. Für einen EU-weiten Transfer braucht es aus unserer Sicht vor allem drei Dinge: Übersetzbarkeit der Ansätze in unterschiedliche Bildungs- und Arbeitsmarktsysteme, verlässliche Netzwerke wie das EBSN, die den fachlichen Austausch dauerhaft ermöglichen, die Bereitschaft, Materialien und Methoden offen zu teilen und natürlich ein strukturell nachhaltiger Kompetenzaufbau auf allen relevanten Ebenen. Für Come2Care ist das durchaus vorstellbar – insbesondere die passgenauen Sprachlern- und arbeitsorientierten Grundbildungsangebote am Arbeitsplatz, die Konzepte der Willkommensworkshops für unterschiedliche Zielgruppen und das Qualifizierungskonzept für Onboardinglotsende in Betrieben lassen sich mit Anpassungen an andere nationale Pflege- und Bildungskontexte übertragen.
„Der Blick auf Brandenburg von außen – im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa – zeigt uns, dass unsere Ansätze bei Come2Care nicht nur regional funktionieren, sondern auch europaweit anschlussfähig sind. Transfer gelingt dann, wenn man bereit ist, die eigene Projektarbeit in einen größeren Zusammenhang zu stellen – und genau das haben wir in Lissabon erlebt."
— Marie Quiter, Projektreferentin Come2Care
Unser Tipp für andere Projekte
Wer die eigenen Ansätze überregional oder international sichtbar machen möchte, sollte frühzeitig aktiv den Austausch suchen – über Netzwerke wie das EBSN, aber auch direkt über persönliche Kontakte auf Konferenzen. Es lohnt sich, die eigene Projektarbeit nicht nur zu präsentieren, sondern konkret an übergeordnete Konzepte wie die 'Action Chain' anzudocken: Das schafft Anschlussfähigkeit und macht deutlich, welchen Beitrag das eigene Projekt zu größeren politischen und fachlichen Debatten leistet.
Wir bedanken uns beim Team des EBSN sowie bei allen Teilnehmenden für drei inspirierende Konferenztage und den wertvollen Austausch zwischen Politik, Praxis und Forschung.
